Das Jedermannsrecht (Allemansrätt)
Das schwedische Jedermannsrecht (Allemansrätten) ermöglicht viele Naturerlebnisse. Es beruht auf Rücksichtnahme: Natur und Tiere dürfen nicht beschädigt oder gestört werden, und die Privatsphäre der Bewohner ist zu respektieren. Das Recht umfasst viele Wege und Tätigkeiten im Freien, gilt aber nicht pauschal für jedes Grundstück, jede Aktivität oder jedes Schutzgebiet.
Am Götakanal
Foto: © Karin Höll
Zelten und Übernachten
Ein oder zwei Nächte sind die allgemeine Faustregel für ein kleines Zeltlager. Wählen Sie widerstandsfähigen Boden, meiden Sie Felder, Anpflanzungen und Weiden und halten Sie ausreichend Abstand zu Häusern, damit Bewohner weder sehen noch hören müssen, was auf dem Zeltplatz geschieht. Mehrere Zelte oder eine größere Gruppe können die Natur belasten; für Gruppen mit vielen Zelten ist die Zustimmung des Grundeigentümers nötig. Nehmen Sie sämtlichen Abfall und Essensreste mit. In Nationalparks und Naturschutzgebieten gelten eigene Vorschriften: Zelten ist oft nur an ausgewiesenen Stellen oder überhaupt nicht erlaubt.
Feuer nur bei sicheren Bedingungen
Das Jedermannsrecht ist keine allgemeine Erlaubnis zum Feuermachen. Auch bei fehlendem Verbot muss die Stelle sicher sein: Sand oder Kies eignen sich besser als Vegetation, und Feuer auf Fels kann den Stein dauerhaft beschädigen. Bei Feuerverboten kommt es auf den Wortlaut der örtlichen Verfügung an. Als Orientierung beschreibt Krisinformation ein gewöhnliches Verbot, bei dem Grillen an ausgewiesenen öffentlichen Grillplätzen in der Regel möglich bleibt, und ein verschärftes Verbot, das auch diese Grillplätze einschließt. Maßgeblich ist die geltende örtliche Verfügung der Kommune oder länsstyrelse mit ihrem räumlichen Geltungsbereich. Nationalparks und Naturschutzgebiete können Feuer unabhängig davon auf bestimmte Plätze beschränken oder vollständig untersagen. Die jeweilige Verfügung legt auch die zulässigen Brennstoffe und Kochgeräte fest.
Boot und Aufenthalt am Wasser
Das Recht gilt auch auf dem Wasser: Paddeln, Segeln, Schwimmen sowie vorübergehendes Ankern oder Anlegen sind vielerorts möglich, wenn Sie Abstand zu Wohnhäusern und empfindlichen Uferbereichen halten. Eine Nacht oder zwei an Bord sind grundsätzlich möglich, sofern Sie niemanden stören. Für längeres Ankern oder Liegen an einem fremden Ufer ist die Zustimmung des Grundeigentümers erforderlich. Auch das Zuwasserlassen eines Boots mit Zugfahrzeug oder Trailer erfordert dessen Zustimmung. Brut- und Robbenschutzgebiete können zu bestimmten Zeiten Betreten, Anlanden oder die Annäherung ans Ufer verbieten; gelbe oder gelb-rote Schilder zeigen solche Bereiche an. Das Wassersportangebot in Schweden führt zu passenden Aktivitäten.
Angeln und Fischereirechte
Angeln gehört nicht zum Jedermannsrecht. Mit Rute und bestimmten Handgeräten ist das Freizeitangeln an den Küsten sowie in den fünf großen Seen Vänern, Vättern, Mälaren, Hjälmaren und Storsjön grundsätzlich ohne Fischereikarte erlaubt. In den meisten anderen Seen und Gewässern braucht es eine Fischereikarte oder Erlaubnis. Netze, Schleppangeln und bestimmte andere Methoden sind nicht von der freien Handangel-Regel umfasst. Örtliche Schonzeiten, Schutzregeln und Fangbeschränkungen gelten zusätzlich. Für südschwedische Küstenangler bietet die Seite zum Küstenangeln in Skåne einen passenden Einstieg.
Fahrzeuge und Hunde
Freizeitfahrten mit Auto, Wohnmobil oder Motorrad abseits von Straßen sowie Parken in natürlichem Gelände sind nicht vom Jedermannsrecht umfasst. Auch die Erlaubnis des Grundeigentümers macht das Fahren im Gelände nicht zulässig. Das gilt für Strände, Wälder, Wiesen und andere Naturflächen. Wer das Auto mitnimmt, braucht deshalb einen zulässigen Parkplatz oder eine freigegebene Zufahrt; die Hinweise zum Wohnmobilurlaub in Schweden erläutern die Reiseart.
Hunde dürfen Naturgebiete begleiten, müssen aber Wildtiere und Weidetiere ungestört lassen. Vom 1. März bis zum 20. August darf ein Hund in Gebieten mit Wildtieren nicht frei laufen; in Rentierweidegebieten muss er stets angeleint sein. Nationalparks und Naturreservate können zusätzliche Leinenpflichten oder Hundeverbote festlegen. Vor allem in der Wurf- und Setzzeit ist Abstand zu Wildtieren wichtig.
Schutzgebiete haben eigene Regeln
Nationalparks, Naturschutzgebiete sowie Vogel- und Robbenschutzgebiete können das Jedermannsrecht einschränken. Vorgaben für Zelte, Feuer, Hunde, Boote und saisonale Zugangssperren unterscheiden sich je Gebiet. Lesen Sie die Beschilderung und beachten Sie die regionalen Schutzbestimmungen, bevor Sie eine Aktivität beginnen. Die Nationalparkübersicht und der Artikel zum Nationalpark Sarek zeigen, warum allgemeine Regeln besonders in empfindlichen Gebirgsgebieten nicht ausreichen. Weitere Landschaftstypen finden Sie in der Naturübersicht; Übernachtungsmöglichkeiten erschließt der Unterkunftseinstieg.